Riscos de Tirajana auf Gran Canaria
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Riscos de Tirajana auf Gran Canaria

Riscos de Tirajana auf Gran Canaria

Die Riscos de Tirajana gehören zu den eindrucksvollsten geologischen Landschaften Gran Canarias. Über der weiten Cuenca de Tirajana bilden hohe Steilwände und zerklüftete Felsgrate den oberen Abschluss eines gewaltigen Erosionskessels. Regenwasser, Sturzfluten, Verwitterung und großflächige Hangrutschungen haben sich über lange Zeiträume tief in das vulkanische Hochland eingeschnitten. Besonders auffällig ist der Risco Blanco: Der fast weiß erscheinende Felspfeiler hebt sich deutlich von den dunkleren Basaltwänden ab. Nach mehr als 20 Jahren auf der Insel beeindruckt mich vor allem die Größe dieser Landschaft. Erst von den umliegenden Straßen und Aussichtspunkten erkennt man, dass hier nicht ein einzelner Felsen, sondern ein komplettes geologisches System unter Schutz steht.

Wie der Risco Blanco aus der Tiefe auftauchte

Erosion legt einen alten Magmakörper frei

Geologisch sind die Riscos de Tirajana weit mehr als eine große Schlucht. Das geschützte Gebiet umfasst die obere Einzugszone des Barranco de Tirajana und wird heute als gewaltige Erosionsform verstanden, an deren Entstehung auch große Geländebewegungen und Hangrutschungen beteiligt waren. Die Abbruchwände bestehen überwiegend aus übereinandergelagerten vulkanischen Materialien des Roque-Nublo-Zyklus. Wasser fand seinen Weg durch Risse und weichere Schichten, räumte loses Material aus und vertiefte die Cuenca de Tirajana immer weiter. 

Der Risco Blanco erzählt dabei eine eigene Geschichte. Er ist kein gebleichter Basaltfelsen, sondern ein heller phonolithischer Magmakörper. Das zähflüssige, kieselsäurereiche Magma drang vor knapp vier Millionen Jahren in ältere Gesteinsschichten ein, erreichte die damalige Erdoberfläche jedoch nicht und kühlte im Untergrund ab. Erst die spätere Abtragung der umgebenden Materialien legte diesen widerstandsfähigen Kryptodom frei. Seine helle Färbung und die bis zu rund 400 Meter hohe landschaftliche Erscheinung machen ihn zum auffälligsten Orientierungspunkt der gesamten Felskulisse. 

Für mich sind die Riscos ein Ort, an dem man Gran Canarias Entstehung nicht nur erklärt bekommt, sondern unmittelbar vor Augen hat: Vulkanismus baute das Hochland auf, Erosion und Bergstürze formten daraus das heutige Relief.

Einordnung unter Gran Canarias Naturdenkmälern

Das Monumento Natural de los Riscos de Tirajana trägt die Schutzgebietskennung C-20, umfasst rund 772,2 Hektarund erstreckt sich über Flächen der Gemeinden Vega de San Mateo, Tejeda, San Bartolomé de Tirajana, Santa Lucía de Tirajana und Valsequillo. Geschützt werden vor allem die außergewöhnliche Geomorphologie, die geologischen Strukturen, das Landschaftsbild und die spezialisierten Pflanzengemeinschaften der Felswände. 

Gran Canaria besitzt insgesamt zehn offiziell ausgewiesene Monumentos Naturales. Dazu gehören neben den Riscos de Tirajana unter anderem Bandama, Montañón Negro, Roque Aguayro, Tauro, Arinaga, der Barranco de Guayadeque, Roque Nublo, Amagro und der Barranco del Draguillo. Anders als ein Naturpark schützt diese Kategorie meist eine räumlich begrenzte, besonders seltene oder markante Naturformation. Bei den Riscos de Tirajana ist das jedoch kein einzelner Fels, sondern die gesamte monumentale Abbruch- und Erosionslandschaft rund um die obere Tirajana-Senke.